Eiche gegen Ablehnung

Fortsetzung von So gehst du souverän mit Ablehnung um

In meinem vorigen Artikel habe ich geschrieben, wie du souverän mit Ablehnung umgehen kannst.

Hier kommen noch zwei schnelle Rezepte, die du dir gut merken kannst: 

SSS gegen Ablehnung

  • Sachlich
  • Selbstkritisch
  • Souverän

Ganz wichtig ist es, sachlich zu bleiben, wenn du Ablehnung erfährst. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn das Herz pocht und Adrenalin in deinen Adern fließt. Das beste und wirksamste Mittel dagegen ist: erst mal tief durchatmen. Dreimal einatmen, tiefe Bauchatmung, und wieder ausatmen.

Das bringt Sauerstoff in deinen Körper und hilft dir, dich zu konzentrieren. Denk dran: nicht du als Person bist gemeint, auch wenn es sich so anfühlen mag. Es ist das Problem deines Gegenübers.

Begegne deinem Gegenüber sachlich und ruhig, frage nach, ob er/sie das etwas näher erläutern könnte. Was genau ist gemeint? Was ist der genaue Grund für die Ablehnung (z. B. deines Vorschlages)

Selbstkritisch zu sein hilft dir, dazu zu lernen. Könnte ein Körnchen Wahrheit in der Ablehnung deines Gegenübers stecken?

  • Wenn du das Gefühl hast, dass du „nicht ankommst“, was könnte es sein?
  • Bist du vielleicht nicht du selbst gewesen?
  • Hast du versucht, eine Rolle zu spielen, etwas vorzugeben, was du nicht bist?
  • Warst du authentisch?
  • Hast du dich unwohl gefühlt?
  • Hast du dich vielleicht im Ton vergriffen?

Den letzten Punkt kenne ich sehr, sehr gut. Immer wenn ich mich angegriffen oder nicht verstanden fühlte, habe ich in der Vergangenheit eine Aggressivität an den Tag gelegt, die gar nicht meine war. Ich wollte mich nur schützen. Wie ein Hund, der sich in die Ecke gedrängt fühlt und die Zähne fletscht.

Das passierte immer dann, wenn ich meiner selbst nicht sicher war. Wenn ich in mir ruhte und meine innere Stärke lebte, dann blieb ich auch in kritischen Situationen ruhig.

Durch meine selbstkritische Betrachtung ist es mir immer besser gelungen, Ablehnungen nicht mehr als persönliche Kränkungen zu verstehen sondern als das, was sie sind: eine andere Meinung der anderen Person.

Das erlaubte es mir, souverän zu bleiben. Souverän wird definiert als „so überlegen und selbstsicher, dass man den anderen unter Kontrolle hat“.

Wenn der andere dich provozieren will durch Ablehnung, dann kannst du das zulassen oder souverän den Ball zurückwerfen.

„Wer fragt, der führt“ heißt es so schön in Verkaufsschulungen. Das gilt auch für den souveränen Umgang mit Kritikern, besonders, wenn sie mit Allgemeinplätzen um sich werden.

„Wirklich?“ oder „Ist das so?“ oder „Wer sagt das?“ sind fantastische Fragen, mit denen du dein Gegenüber aushebeln kannst. „Ach ja?“  oder „Na und?“ benutze ich gern, wenn mir der Schalk im Nacken sitzt und es mir völlig egal ist, was der andere von mir denkt.

Besonders wirkungsvoll, wenn du diese Fragen mit ruhiger, fester Stimme formulierst und wirklich deine innere Stärke spürst. Siehe Übung 1 in meinem vorigen Beitrag.

RRR gegen Ablehnung

  • Ruhig bleiben
  • Realistisch betrachten
  • Resilient reagieren

Meint im Prinzip das Gleiche wie in SSS beschrieben.

Ruhig bleiben:  Bleib ruhig, lass dich nicht provozieren. Atme erst mal tief durch, stell dir vor, wie du dein Gegenüber schrumpfen lässt und ihm Mickey Mouse Ohren wachsen lässt. Beiß dir auf die Zunge, damit du nicht vorschnell eine völlig überzogenen emotionalen Antwort rausblubberst.

„In der Ruhe liegt die Kraft“ sagte mein ehemaliger Boss immer gerne, wenn die Situation kritisch wurde.

Wenn du ruhig bleibst, dann zeigst du Stärke.

Realistisch betrachten: Ist das wirklich so gemeint, wie du es empfunden hast? Oder hast du nur überzogen reagiert, weil dich diese Situation an eine ähnlich, schmerzliche Situation erinnert?

Lehnt dich dein Gegenüber wirklich ab? Oder machst du aus einer Mücke einen Elefanten? Achtung, wenn hier das kleine innere Stimmchen kommt: „Ist ja klar, hatte ich nicht anders erwartet“ oder „immer passiert das mir“, „nie kann ich mich durchsetzen“. Das sind Hinweise darauf, dass du einfach nur emotional reagierst, weil da die entsprechenden Knöpfe bei dir gedrückt wurden. Getriggert nennt man das in der Fachsprache.

  • Was kannst du beim nächsten Mal anders machen und wie?
  • Wie kannst du auftreten?
  • Wie kannst du dich besser vorbereiten?

Wenn es um einen Vorschlag geht, den du in einer Runde durchbringen willst, dann hilft es, vorher zu üben. Nimm mögliche Einwände vorweg, überlege dir, wie du sie entkräften kannst. Stell dir vor, wie du souverän deine Ideen präsentierst und wie sich das anfühlt, wenn alle begeistert nicken.

Spiel die Situation im Geiste immer wieder durch. Sieh, hör, fühle in allen Einzelheiten. Sei die Regisseurin oder Dompteuse, wenn das besser passt.

Resilient reagieren: Steht wieder auf, wenn du hingefallen bist, richte dein Krönchen und stöckele weiter.

Resilienz kommt vom lateinischen resilire: zurückspringen, abprallen. Ursprünglich wurde es in der Werkstoffkunde benutzt und beschreibt hochelastische Kunststoffe, die auch nach extremer Verformung wieder die ursprüngliche Form annehmen.

Es kommt immer wieder vor, dass das Leben dich nieder wirft. Du wirst manchmal abgelehnt, bekommst einen Auftrag nicht, dein Lover entscheidet sich für eine andere: na und?

Ja, das tut im ersten Moment verdammt weh. Und das ist der Moment, in dem du resilient reagierst. Heul eine Runde, putz dir die Nase, geh in die Natur  und dann entscheide dich dafür, dass du deine Handlungsfähigkeit zurück gewinnst

Frag dich:

  • Was ist gut an dieser Niederlage oder könnte gut sein, wenn du offen dafür wärst, es zu sehen?
  • Was kannst du daraus lernen?
  • Wofür könntest du dankbar sein?
  • was sind deine Stärken, die du jetzt einsetzen kannst?

Als ich vor Jahren den Tritt von meinem damaligen Freund bekam, war ich am Boden zerstört. Ich hatte ihm das Leben angenehm gemacht, als er seine Doktorarbeit in Tiermedizin schrieb. Nachdem er „summa cum laude“, also mit der höchsten Auszeichnung, bestanden hatte, trennte er sich von mir. Weil ich nicht intellektuell genug war. Autsch, das tat in der Seele weh. Ich war also nicht gut genug für ihn!

Mir reichte es mit den Kerlen, ich meldete mich zu einem Abendstudium an und beschloss, Karriere zu machen und vor allem, nichts mehr mit Männern zu tun haben zu wollen. Und dann trat der beste aller Männer in mein Leben.

Rückblickend war ich sehr dankbar, dass ich den Tritt bekommen habe. Ich habe resilient reagiert. Auch wenn das Wort erst ein paar Jahre später aufkam.

Ob du nun SSS – sachlich – selbstkritisch – souverän – mit Ablehnung umgehst oder lieber RRR – ruhig bleiben – realistisch betrachten – resilient reagieren – als „Zauberformel“ für dich anwendest: denk dran, dass du es in der Hand hast. Du bist die Regisseurin, Dirigentin oder Dompteuse.

Wenn du dich selbst annimmst, dann kann dich niemand ablehnen.

Achte auf dein Krönchen, Prinzessin.