Aufschieberitis aus Angst – 5 Lösungsmöglichkeiten

Aufschieberitis – oder Prokrastination ist ein weit verbreitetes Phänomen.

Überforderung habe ich hier behandelt. Heute geht es um Angst. Eigentlich geht es um die Angst, nicht gut genug zu sein.

Was ist, wenn jemand merkt, dass ich nicht gut genug bin? 

Diese Angst hatte ich lange in meinem Leben. Erst im Erwachsenenalter, als ich anfing, an mir zu arbeiten, wurde ich mir dessen bewusst.

Zum ersten Mal richtig bemerkt habe ich sie mit Mitte Zwanzig. Ich arbeitete bei einem großen Schreibwarenhersteller im Export, die Arbeit machte mir Spaß. Dann bekam ich durch Umorganisation einen neuen Chef, mit dem ich gar nicht konnte.

Also bewarb ich mich weg, ins Marketing. Dort war eine Stelle als Abteilungssekretärin frei. Nicht gerade mein Traumjob, aber ich wollte im Unternehmen bleiben, Marketing reizte mich, ich wollte weg von meinem Boss. Eigentlich wollte man mich dort nicht, da ich überqualifiziert war, meine Fremdsprachenkenntnisse waren nicht erforderlich.

Da ich die beste der schlechten Bewerbungen während des Einstellungsstopps war wurde ich akzeptiert. Meine Vorgängerin war eine sehr elegante, lebhafte junge Frau gewesen, ich eher die graue Ökomaus aus dem Export.

Die Abteilung wollte mich nicht, da ich einigen von ihnen schon gehörig als Exportsachbearbeiterin auf die Nerven gegangen war. Und sie liebten meine Vorgängerin.

Ich kam also in diese Abteilung und wusste: ich bin nicht gut genug. Sie mögen mich nicht. Nur mein Boss hatte sich für mich entschieden. Also machte ich Fehler, kam überhaupt nicht an, verlor meine Energie und schob Dinge vor mir her.

Während ich mich vorher mit Feuereifer in die Arbeit gestürzt hatte ging mir die neue Arbeit sehr schleppend von der Hand. Ich bekam Terminschwierigkeiten.

Eines Tages führte mein Boss ein Gespräch mit mir. Er wollte wissen, was los war, so kannte er mich nicht. Er beklagte, dass ich eine Mauer um mich herum errichtet hätte, er bekam keinen Zugang zu mir.

Als gute Führungskraft und guter Zuhörer bekam er schnell heraus, was mein Problem war.  Es war ein sehr vertrauensvolles Gespräch. Er konnte mir die Angst nehmen, er konnte meinen Fokus auf meine Stärken lenken.

Er erklärte mir, warum er sich für mich entschieden hatte: Weil er an mich glaubte und wusste, dass ich ehrgeizig war und mehr wollte.

Er half mir, meine Kraft wieder zu finden und wieder an mich selbst zu glauben.  Das war die Wende: bald mochte mich die Abteilung, ich wusste, ich war gut genug und mein Boss gab mir mehr und mehr anspruchsvolle Aufgaben.

Ich durfte mich entwickeln, weg von der Abteilungssekretärin hin zur Marketingassistentin. Ich wusste, ich war gut genug, denn mein Boss vertraute mir.

Wo kam diese Angst her? Die erste Erinnerung daran war in der Schule, kurz nach der Einschulung. Die Religionslehrerin wollte meine Religionszugehörigkeit herausfinden. Also wurde ich gefragt, in welche Kirche wir denn gingen. Ehrlich wie ich war sagte ich die Wahrheit: „in gar keine“. Die Religionslehrerin rang die Hände und murmelte was von „Heidenkind“, ich fühlte mich schlecht, ohne zu wissen, warum.

Dann wurde ich noch gefragt, ob meine Eltern „aus der Ostzone“ kämen, ich solle doch bitte vernünftig reden. Damit konnte ich gar nichts anfangen, instinktiv wusste ich aber, dass ich nicht gut genug war. Meine Eltern waren beide als Teenager aus Sachsen-Anhalt geflohen, sie brauchten lange, um ihren Akzent los zu werden.

Später habe ich dieses alte Glaubensmuster weggeklopft, und durch die verschiedensten Techniken bearbeitet. Es war sehr hartnäckig, immer wenn ich glaubte, dass es nun gut sei, kam ein Test vom Universum, der mir zeigte: da ist noch was.

Man mag daran glauben oder auch nicht, es spielt keine Rolle. In meinen Coachings habe ich immer wieder erlebt, dass dieser hindernde Glaubenssatz die Menschen abhält, ihr Potential zu leben. Sie trauen sich nicht, ihre Träume zu verwirklichen. Sie leben ständig in der Angst, entdeckt zu werden.

Was ist, wenn jemand entdeckt, dass ich nicht gut genug bin, dass ich diesen Job nicht wirklich kann?“  Das kostet Energie, das macht Stress und führt zu Aufschieberitis.

 

Lösungsmöglichkeiten:

 

1. Such dir Unterstützung

Bei mir war es mein wunderbarer Chef, der bemerkte, wie blockiert ich war. Er glaubte an mich, er förderte mich und er forderte mehr von mir. Mit seiner Hilfe konnte ich meine Komfortzone verlassen und traute mich auch an Aufgaben heran, die „eigentlich“ zu groß für mich waren.

„Frau Richter, wollen Sie mal eine Herausforderung annehmen?“ fragte er gerne. Auch wenn ich mich  innerlich zusammenkrampfte  hörte ich mich immer sagen: „Klar, gerne“. Immer ging es gut, auch wenn ich manchmal richtig schuften musste. Ich habe diese Herausforderungen geliebt, sie haben mir Spaß gemacht und dadurch bin ich gewachsen. Auch, weil ich immer Anerkennung bekam.

Such dir einen Buddy, ein Erfolgsteam oder einen Coach, der individuell auf dich eingeht. Ruf mich an und vereinbare ein kostenloses Orientierungsgespräch: 040-35 73 90 88.

Finde heraus, ob und wie ich dir helfen und dich unterstützen kann. Das funktioniert auch super übers Telefon oder über Skype.

2. Ändere Deinen Fokus

Du bist nicht gut genug? Nie? Wirklich? Das gibt es nicht. Jeder Mensch hat Dinge in seinem Leben vollbracht, die gut waren, richtig gut.

Nimm ein Blatt Papier und schreib untereinander die Zahlen von 1 bis 42. Jede Zahl in eine neue Zeile. Darüber schreibst du: „Ich bin großartig, weil…“  Dann listest du alles auf, was du vollbracht hast, kleine Dinge und große Dinge, auch ganz kleine.

Mindestens 42 Gründe. Wenn du z. B. heute Morgen aufgestanden bist, obwohl du eigentlich am liebsten im Bett geblieben wärst, dann schreib es auf. Das hast du gut gemacht.  Hast du die Schule abgeschlossen? Großartig, schreib es auf. Hast du schon mal eine gute Tat vollbracht? Prima, schreib sie auf.

Wenn du danach immer noch nicht erkennen kannst, dass du viel großartiger bist als du bisher geglaubt hast, dann frage mal liebe Menschen in deinem Umfeld, was sie an dir schätzen. Bitte sie, es aufzuschreiben.

 

3. Räum die Blockaden weg

Deine Programmierungen, manche nennen sie Glaubenssätze oder Überzeugungen, müssen aus deinem zellulären Gedächtnis entfernt werden. Sie sind Stolpersteine, die dich immer wieder zu Fall bringen können.

Warum wirken Affirmationen häufig nicht? Weil im Unterbewusstsein eine tiefere Überzeugung festsitzt, die unhörbar „glaube ich nicht“ flüstert, da kannst du noch so häufig positiv daherreden. Was dagegen funktioniert sind Afformationen, eine Methode, die von Noah St. John  entwickelt wurde.

Er fragte sich, warum wir ständig Aussagen wiederholen, an die wir innerlich nicht wirklich glauben (Affirmationen). Dann fing er an, warum-Fragen zu stellen, z. B. „Warum genau bin ich gut genug?“  Diese Warum-Frage sucht in deinem Unterbewusstsein nach den entsprechenden Antworten und Beweisen – und Bingo: findet sie.

Um Blockaden zu lösen gibt es  eine Vielzahl von Methoden und Werkzeugen. EFT (Emotional Freedom Techniques), auch bekannt als Klopfen, funktioniert wunderbar und schnell.

Auch mit NLP (Neurolinguistisches Programmieren) habe ich gute Ergebnisse erzielt. Häufig kombiniere ich beide Methoden.

Familienstellen, Ritual- und Energiearbeit, die verschiedensten energetischen Heilmethoden können Blockaden auflösen. Probiere aus, was dich anspricht und finde heraus, was am besten für dich funktioniert.

Es gibt nicht DIE beste Methode, auch wenn das viele Praktiker gerne von ihrer Methode behaupten. Es gibt die beste Methode(n) für DICH.

 

4. Protokolliere deine Erfolge

Nimm dir jeden Abend Zeit, halte Rückschau auf den Tag und notiere:

  • wofür bist du dankbar?
  • was ist gut gelaufen?
  • was hast du gelernt?
  • worauf bist du stolz?
  • wen liebst du und wer liebt dich?

Damit dokumentierst du deinen Fortschritt und lernst permanent, deinen Fokus, deinen Blickwinkel und deine Sichtweise neu auszurichten.

Dieses Dankbarkeitsjournal wird dir helfen, wenn du mal wieder gar nicht glauben kannst, dass du gut genug bist. Blättere es durch und du fühlst dich sofort besser, garantiert. Es stärkt dein Selbstwertgefühl und dein Selbstvertrauen wächst immer mehr.

 

5. Fang heute damit an!

Auch wenn du das vielleicht gerne auf morgen verschieben möchtest: Achtung, Falle.

Unternimm heute einen kleinen Schritt. Wen könntest Du anrufen und um Unterstützung bitten? Rufe jetzt an. Fang deine Liste an, notier wenigstens 5 Punkte. Welche Methode zur Blockaden wegräumen spricht dich an? Wen kennst du, die so etwas anbietet? Vereinbare ein Vorgespräch. Hast du ein Notizbuch, das dein Dankbarkeitsjournal wird? Wenn nicht, dann besorge dir eins, jetzt.

Welchen kleinen Schritt willst du heute unternehmen? Teile ihn gern hier im Kommentar.