Angst dich zu blamieren

“Hast du keine Angst dich zu blamieren?” fragte mich eine Coaching-Kollegin im letzten Jahr.

Hintergrund: ich hatte angefangen, meine Angst vor der Sichtbarkeit auf Video zu überwinden und mein erstes Video auf meiner Facebook-Seite hochgeladen. 

Nein, denn ich habe meine größte Angst überwunden: die Angst mich lächerlich zu machen, die Angst, nicht gut genug zu sein, nicht perfekt genug zu sein.

Klar, in diesem Video bin ich noch ein bisschen verspannt, ich bin zu ernst, lächele nicht genug und meine sprudelnde Energie kommt nicht rüber, aber daran arbeite ich noch 😉

Ich hatte Angst vor Videos

Hallo, wie bitte? Ich bin gut darin, Frauen zu ermutigen, an sich selbst zu glauben, zu tun, was sie tun wollen, mehr Selbstvertrauen zuzulassen, ein besseres Selbstwertgefühl zu entwickeln und mehr Selbstliebe zuzulassen. Und ich hatte Angst vor Videos?

Ja, in der Tat. Zwar hatt ich noch nie Angst, vor Publikum zu sprechen. Gib mir ein Redethema und eine Bühne und ich blühe auf. Mehr als 10 Jahre war ich aktiv bei Toastmasters, mit großer Freude.

Aber auf Video aufgenommen zu werden: auf gar keinen Fall. Es gibt ein Handbuch mit 5 Reden bei Toastmasters, in dem diese Fähigkeit geübt wird: Speaking on TV. Dabei werden die Reden aufgezeichnet und später kommentiert. Mit dem Feedback konnte ich mich verbessern.

Und dennoch habe ich mir nie gefallen, wenn ich die Aufzeichnung gesehen habe. Selbstbild und Fremdbild kommen hier ins Spiel.

Ich lebte damals in Shanghai und war ständig in den Toastmasters Clubs unterwegs, um Reden zu halten oder Schulungsbeiträge.

Wann immer jemand meine Rede mit dem Handy aufgenommen hat und ich dies bemerkt habe, habe ich sofort darauf bestanden, dass es gelöscht wurde.

Die  jungen, lernbegierigen Chinesen wollten  nichts davon verpassen. Sie wollten alles studieren, es wieder und wieder ansehen, um zu lernen.

Ich dagegen war zu verspannt und hatte zu viel Angst, dass meine Unzulänglichkeit für immer festgehalten würde. Manchmal war  ich  recht unfreundlich, wenn ich sie angeranzt habe, das Video sofort zu stoppen.

Mit einem befreundeten Coach, der ebenfalls bei Toastmasters engagiert war, sprach ich darüber. Seine Antwort war ganz klar: ich will weltweit bekannt werden, und ich habe keine Lust, dass später alte Videos ausgegraben werden, auf denen ich grottenschlecht war. Genau, ich fühlte mich bestätigt.

Fang einfach an

Kurze Zeit später sah ich die ersten Videos einer anderen Freundin auf Youtube. Sie fing an, ihre Karriere als spiritueller Coach für mehr Weiblichkeit aufzubauen. Ich dachte häufig: das ist aber mutig und gleichzeitig, nee, so kannst du das nicht machen, die Videos sind ja echt schlecht.

Ich habe mich damals nur auf das konzentriert, was fehlte, nicht, was da war.

Heute ist sie eine strahlende Video-Queen, immer mit professionellem Make-up, alles perfekt ausgeleuchtet – und die alten Videos aus der Anfangszeit existieren nicht mehr, da Youtube ihren Kanal gelöscht hatte als sie anfing, richtig erfolgreich und bekannt zu werden.

Verbessere dich

Eine andere Coaching-Kollegin, Jeannette Koczela, fing vor 3 Jahren an, Videos zu veröffentlichen, immer mit Tipps, wie man als Coach sein Business aufbauen kann.

Wieder fand ich: die traut sich was, so ein Video hätte ich nicht veröffentlich. Ich schrieb ihr sogar mehrfach in der Anfangszeit, was sie verbessern könnte. Genau, wie ich es in Toastmasters gelernt hatte, mit der Sandwich-Technik: erst das Gute loben, dann einen konkreten Verbesserungsvorschlag, dann nochmal ein Lob.

Und ihre Videos wurden besser. Einfach dadurch, dass sie mehr und mehr Videos veröffentlicht hat.

Verlass deine Komfortzone

Nachdem ich in einer geheimen Facebook-Gruppe ein paar Videos hochgeladen hatte und ermutigendes Feedback bekam, habe ich es gewagt, mein nächstes Video zu veröffentlichen.

Es ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Ja, ich lächele immer noch zu wenig, zeige nicht die Lebendigkeit, die ich im echten Lebe zeige, weil ich mich noch zu viel auf die Haltung des Handys konzentriere und darauf, möglichst in die Kamera zu schauen.

Aber: ich zeige mich, ich wage mich aus meiner Komfortzone raus und habe die Angst verloren, dass jemand meine Unzulänglichkeit gegen mich verwenden könnte.

Hab Selbstvertrauen

Ich weiß, dass ich gut bin, Frauen dabei zu unterstützen, in ihre Kraft zu kommen. Meine Klientinnen ermutige ich, sich zu trauen, etwas Neues zu wagen und ins Handeln zu kommen, gegen die kleinen fiesen Miesmacher-Stimmchen in ihrem Inneren.

Ich glaube an die Fähigkeit dieser Frauen, mehr zu können, mehr zu wagen, mehr zu haben und mehr zu sein.

Und genau das habe ich jetzt selbst gewagt. Angst, mich zu blamieren? Nein, was ist denn Blamage? Es ist Kopfkino, Angst vor dem Urteil der Anderen, die ein bestimmtes Bild vorn dir haben. Das sowieso nicht stimmt, denn es ist deren Bild.

Entscheidend ist, welches Bild du von dir hast. Und wenn dir das Bild, das du selbst von dir hast, nicht gefällt, dann ändere es. Trau dich einfach, wage es.

So wie ich mit meinem ersten öffentlichen Video. Unperfekt perfekt. Perfekt unperfekt. So wie ich.

Und mittlerweile habe ich angefangen, Frauen zu interviewen. Zum Thema Mut, sich was trauen. Für meinen ersten Online-Kongress am Ende des Jahres.

Nein, ich habe keine Angst, mich zu blamieren. Ich habe einfach angefangen, habe mich aus meiner Komfortzone raus getraut,  mache Fehler und mache es danach besser.

Hast du Angst, dich zu blamieren? Teile es gerne hier im Kommentar. Schreib mir, wenn ich dir dabei helfen soll, diese Angst zu überwinden.