Selbstbewusst und souverän auftreten – 3 Erkenntnisse

Selbstbewusst und souverän auftreten

Gastbeitrag von Wassu Grefen

Vielen Menschen gruselt’s im Umgang mit anderen. Ob im Beruf, Freundeskreis oder in der Familie, in schwierigen Situationen ruhig und sachlich zu bleiben, ist die größte Herausforderung. Der Grund ist Angst. 

Angst vor Kritik, Angst, nein zu sagen, Angst, ablehnt und verlassen zu werden. Wie wird wohl reagiert werden, wenn man sein Wollen durchzusetzen versucht? Hat man drei grundlegende Erkenntnisse verinnerlicht, fällt es leicht, Konfliktsituationen auszuhalten und zu beider Parteien Vorteil zu lösen.

  1. Wie man sich fühlt ist immer wegen einem selbst!
  2. Der andere meint dich nicht!!
  3. „Gib Deinem Feind, was er braucht, und du gewinnst einen Freund!“ (Dipl. Päd. Andreas Winter)

1. Wie man sich fühlt, ist immer wegen einem selbst!

Egal, was wir fühlen in einer Situation mit einem anderen Menschen, er kann nichts dafür! Was wir fühlen ist immer wegen uns selbst. Das Gegenüber triggert, erinnert, lediglich eine ähnliche Situation, die wir schon erlebt haben.

Das ist vergleichbar mit einer Wunde, die man sich vor Jahren zugezogen hat, und an die versehentlich jemand stößt. Er ist drangekommen, es hat wehgetan, aber er hat sie nicht verursacht. Verursacht werden unsere Ängste nämlich in einem bestimmten Zeitraum. Es sind die ersten 36 Monate ab der Zeugung.

Eine Phase, in der wir alles, was uns widerfährt, als ewiglich wahrnehmen, weil wir kein entwickeltes Zeitgefühl haben. Zudem erhalten wir die Referenzgrundlage unserer Gefühle von der Mutter über Neurotransmitter über das Nabelschnurblut.

Was sie fühlt, fühlen wir. Ist das negativ und unangenehm, wird das so neuronal verknüpft und wir tun alles dafür, das so nicht mehr fühlen zu müssen. Deshalb unsere Abwehr, wenn uns später jemand durch eine Bemerkung, Handlung, den Tonfall oder einfach nur äußerliche Ähnlichkeit mit jemandem aus der Zeit daran erinnert, triggert.

Das bedeutet, alles, was uns später passiert, passt einfach nur ins Muster. Alle späteren Verletzer sind Mustervertreter derer, mit denen wir diese Gefühle in der frühen Kindheit kennengelernt haben. Daraus folgt, wenn wir uns wehren, schimpfen, zurückziehen oder was auch immer, meinen wir die von damals, nicht die Erinnerer von jetzt!!!!! Und das führt zu Punkt 2: Der andere meint dich nicht.

2. Der andere meint dich nicht

…….denen geht’s genauso! Die meinen uns auch nicht! Es ist völlig unnötig, sich aufzuregen, wenn wir beschimpft, verraten, beschuldigt und betrogen werden. Für sie sind wir die Mustervertreter der „Täter“ aus ihrer Kindheit.

Sie meinen die, nicht uns! Sie meinen ihre Mütter, Väter, Geschwister und eventuell Oma. Oder die doofe Ziege aus dem Kindergarten, die immer zuerst in der Puppenecke war. Das heißt, ich kann aus der Rolle des Gegners meines Gegenübers heraus und beobachten, wie er versucht, sich vor den von mir durch irgendwas getriggerten Verletzungen von früher zu schützen.

Manche machen das mit Stimme, Wortgewalt, Dominanzgehabe, Rückzug oder vielleicht Weinen. Werde zum Profiler und Empathen und lerne zu verstehen, was deinem Kontrahenten passiert ist, was zu Punkt 3 führt:

3.“Gib Deinem Feind, was er braucht, und du gewinnst einen Freund!“

Wenn man versteht, wogegen der andere kämpft, was er sich nicht zu fühlen traut und was er braucht, kann ich ihm das geben und weil er sich verstanden fühlt, gewinne ich einen Freund.

Weil das etwas schwer zu erklären ist, hier eine Anekdote aus meinem Leben: Ich war in einer Arztpraxis und die Arzthelferin versuchte mehr als genervt, mir etwas zu erklären. Ich begriff nicht und sie wurde unhöflich. Normalerweise artet sowas entweder in Streit aus oder man fühlt sich gemaßregelt und schämt sich. Ich nicht. Ich setzte mich ins Wartezimmer und überlegte, was mit ihr los war.

Da fiel mir auf, dass sie den Laden alleine schmiss. Da war keine andere Arzthelferin. Sie rannte zwischen Rezeption, Labor und Behandlungszimmer hin und her. Aha! Mehr musste ich nicht wissen!

Als ich an der Reihe war, schnappte ich sie mir und sagte ihr, dass ich es bewundere, wie sie das alles alleine schafft und regelt. Sie veränderte sich auf die Sekunde!

Alles, was sie wollte und brauchte, war ein Mensch, der mal sieht, was sie leistet.

Ihre Schultern sanken, sie lächelte und egal wie blöd ich mich heute anstelle, wenn ich was nicht verstehe, sie hat Geduld mit mir.

Diese Geschichte zeigt, wir haben Macht! Wir sind anderen nicht ausgeliefert. Wir können unsere Geschicke über Empathie und Liebe beeinflussen.

Man bedenke, wie es verlaufen wäre, wenn ich mich über ihren Ton beschwert hätte. Sie fühlte sich nicht wahrgenommen in ihrer Leistung. Das war alles.

Zusammenfassung:

  • Schuldzuweisungen fallen weg, weil wir selbst dafür verantwortlich sind, was wir fühlen.
  • Wir brauchen weder geknickt noch böse  zusein, weil der andere uns genauso wenig meint, wie wir ihn. Wir kämpfen beide gegen Gegner aus der Vergangenheit. Es ist nur Projektion.
  •  Wenn wir unsere Kontrahenten verstehen und ihnen helfen, können wir Situationen zu unser beider Vorteil verändern.

Wassu Grefen, Coach & Dozentin