So bereichert dich der Austausch mit anderen Kulturen

So bereichert dich der Austausch mit anderen Kulturen

Wie kann Dich der Austausch mit anderen Kulturen bereichern? Ob im Urlaub, beim Neuanfang in einem anderen Land oder in einem anderen Unternehmen. Jede Firma lebt ihre „Firmenkultur“.

(Fortsetzung meines Artikels Flexibilität und Gelassenheit helfen in schwierigen Situationen.)

In meiner Kindheit kannte ich weder Artischocken noch Auberginen. Auch Cappuccino habe ich erst in Italien kennengelernt.

Die sogenannten Gastarbeiter, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zu uns kamen, brachten ihre gewohnten Lebensmittel mit. Damit haben sie den deutschen Speisezettel enorm bereichert.

Deutsche Urlauber lernten in ihren Urlauben die mediterrane Lebensart kennen und lieben. In Frankreich erlernten sie das „savoir vivre“, (verstehen zu leben), in Asien mehr Gelassenheit und Freundlichkeit.

Beobachte:

  • was ist anders?
  • Was gefällt Dir am anders sein?
  • Was könntest Du ausprobieren?
  • Was könntest Du für Dich übernehmen?
  • Wie kannst Du das Beste aus zwei Welten miteinander integrieren?

Als ich im Februar 2005 in Shanghai ankam war vieles ungewohnt für mich, alles schien so anders zu sein. Dann habe ich mich darauf eingelassen, mich mit der Kultur auseinandergesetzt und beobachtet.

Mir gefiel, dass es immer irgendwie einen Weg gibt. Mir gefiel die Kreativität, mit der Menschen ihr Leben meisterten. Häufig heißt es, die Chinesen seien nicht kreativ, da sie in der Schule kein kritisches Denken lernen. Es stimmt nicht, die Chinesen haben eine äußerst praktische Kreativität, die ihnen hilft, ihr Leben zu meistern.

Von ihnen habe ich gelernt: wenn es so nicht geht, wie könnte es dann gehen? Immer dann, wenn es um ihren eigenen Vorteil geht, oder den ihrer Familie oder Freunde, dann habe ich unzählige kreative Versuche beobachtet.

Ein anderer Umgang miteinander

In meiner Zeit in Shanghai habe ich gelernt, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. In China setzt man sich erst mal zusammen, trinkt Tee oder heißes Wasser und baut eine Beziehung zueinander auf. Eine Freundin, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist, berichtet auch von ständigen Einladungen zum Tee.

Wenn man sich kennt, dann kann man sich einordnen, erst wenn man sich kennt, dann kann man Geschäfte miteinander machen. Das Ziel ist Harmonie. Wie können wir mehr Harmonie im Umgang miteinander erreichen? Das bedeutet einfach: wie können wir uns gegenseitig ein gutes Gefühl verschaffen? Wie kann ich dazu beitragen, dass Du Dich besser fühlst?

In China ist es wichtig, nicht das Gesicht zu verlieren. Ein Konzept, das uns im Westen fremd ist, aber eigentlich auch nicht. Wenn ich jemanden vor anderen anschreie, dann verlieren wir beide unser Gesicht. Er ist blamiert, ich habe mich blamiert. Das ist sehr vereinfacht ausgedrückt. Und dennoch hilfreich, denn auch bei uns gehört es nicht zum guten Ton, jemand anzuschreien oder vor anderen zu kritisieren.

Ich musste lernen, sensibler mit Kritik umzugehen, nicht mehr so trampelig deutsch, dazu noch Sternbild Schütze, zu sein. Stattdessen wertschätzender, aufbauender und indirekter, mehr im Sinne von Feedback.

Sowohl bei Toastmasters als auch in meiner Ausbildung zum Coach habe ich mehr darüber gelernt und verstanden, dass die chinesische indirekte Art mit dem Ziel der Harmonie zwischen beiden dies praktiziert: beide Parteien fühlen sich wohler.

Ein anderes Zeitverständnis

Ein großes Thema ist der Umgang mit der Zeit. Ich bin ein sehr pünktlicher Mensch, Unpünktlichkeit war für mich immer gleichbedeutend mit Unhöflichkeit. Wenn ich mir die Mühe mache, pünktlich zu einer Verabredung, einer Besprechung oder einer Veranstaltung zu erscheinen, dann möchte ich auch pünktlich beginnen. Warum müssen wir immer auf die ewigen Zuspätkommer warten?

Von einer indischen Freundin habe ich gelernt: die Inder dehnen die Zeit. Das waren ihre Worte. Wenn ich mich mit ihr verabredete, dann brauchte ich mich nicht abzuhetzen, um pünktlich zu sein. Ich wusste, sie kommt mindestens 15 Minuten später als verabredet. Und plötzlich stellte ich fest: das entspannt mich. Wenn ich weiß, wie sie tickt, dann kann ich mich darauf einstellen.

Eine andere Gelassenheit

In Shanghai kamen viele häufig zu spät. Ständige Ausrede: zu viel Verkehr, kein Taxi. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt und wurde auch gelassener bei der Pünktlichkeit. Bei einem Ausflug mit dem Deutschen Club erreichte mich zur Abfahrtzeit in Anruf auf dem Handy: wo bleibst Du denn? Alle warten auf dich.

Autsch, ich war nochmal eben zur Toilette gegangen, in einem Hotel in der Nähe. Schließlich ist alles immer zu spät in Shanghai. Nein, zwei Ausnahmen: Veranstaltungen des Deutschen Clubs und Bahnen starten pünktlich.

Die wütenden Blicke, die mich im Bus empfingen konnte ich mit der inzwischen erlernten Gelassenheit gut ertragen 😉

  • Wie ist Dein Zeitverständnis?
  • Was kannst Du vom anderen Umgang mit der Zeit lernen?
  • Wo kannst du gelassener werden?

Ein anderes Zeitverständnis, einen anderen Umgang miteinander, einfach mehr Toleranz sind nur einige Beispiele, wie dich der Austausch mit anderen Kulturen bereichern kann.

Egal, ob du demnächst in Urlaub fährst, in der Flüchtlingsarbeit aktiv bist oder einfach nur jemandem aus einem anderen Kulturkreis begegnest: beobachte, lass dich darauf ein und sei bereit, die Bereicherung anzunehmen. So ganz nebenbei wirst du dabei gelassener.

  • Welche guten Erfahrungen hast du mit anderen Kulturen gemacht?
  • Was hast du von ihren gelernt?
  • Wie hat es deine Gelassenheit verändert?

Teile es gern hier im Kommentar.