Eiche ssteht fest verwurzelt

Ablehnung oder Zurückweisung tut weh. Die Angst vor Ablehnung ist tief in uns verankert. Als unsere Altvorderen noch über die Savannen streiften, sicherte die Zugehörigkeit zu einer Gruppe das Überleben. Ausgestoßen zu werden konnte den Tod bedeuten. Die Neurowissenschaft weiß heute, dass Zurückweisung und Ablehnung die gleichen Areale im Gehirn aktivieren wie körperliche Verletzung. Ablehnung führt also zu Schmerzen, sozialen Schmerzen.

So kannst du damit umgehen:

Verständnis

Nimm diese Schmerzen war, lass sie zu, nimm sie an. Sie sind real. Es nützt nichts, sie zu ignorieren oder unter den Teppich zu kehren. Hab Verständnis dafür, wie du dich fühlst, egal, was andere sagen. Gehe behutsam mit dir um. Du fühlst dich, wie du dich fühlst. Punkt. Das ist jetzt so. Und  es geht vorbei, es wird besser.

Zuwendung

Von anderen: Zuhören lindert reale Schmerzen. Wenn du jemandem zuhörst, die unter Schmerzen leidet, dann geht es ihr besser. Das hat die Neurowissenschaft mittlerweile erkannt. Suche dir eine gute Freundin, der du dein Herz ausschütten kannst.

Oder noch besser: engagiere einen Coach. Wir sind darin geschult, zuzuhören, wahrzunehmen, was du sagst und was du nicht sagst, wir hören zwischen den Zeilen und halten für dich den Raum, in dem du deinen Schmerz „heilen“ kannst. Offen und urteilsfrei. Mit ABS: Achtsam – Bekräftigend – Stärkend.

Von dir selbst: tu dir was Gutes, gönn dir etwas Schönes. Shopping-Therapie kann hier angesagt sein, ein Verwöhntag in einem Wellness-Tempel, ein neuer Haarschnitt. Ist dir schon mal aufgefallen, wie viele Frauen sich eine neue Frisur zulegen wenn sie von ihrem Partner „abgelegt“ wurden?

Eine meiner Klientinnen hat sich selbst beim Juwelier einen schönen Diamantring gegönnt, ein richtig schönes, wertvolles Stück, das ihr viel Kraft gegeben hat.

Was kannst du dir heute Gutes tun?

Lernen

  • Was kannst du aus dieser Situation lernen?
  • Welche Hinweise wirst du beim nächsten Mal beachten?
  • Was musst du vielleicht verändern?
  • Wie wirst du diese Situation in 10 Tagen, 10 Monaten, 10 Jahren sehen?
  • Was könnte das Gute daran sein?

Als ich vor vielen Jahren aus meinem Job als kaufmännische Leiterin gefeuert wurde war dies eine meiner größten und schmerzhaftesten Ablehnungen. Man wollte mich nicht mehr. Das tat verdammt weh.

Rückblickend habe ich erkannt: ich war sehr unglücklich in dem Job, die Kündigung war das Beste, was mir passieren konnte. Ich habe mein tägliches Unwohlsein auf dem Weg zur Arbeit ignoriert und die Zähne zusammengebissen. Das tat mir nicht gut, und das Universum hat eingegriffen. 10 Jahre später war ich nur noch dankbar für die Kündigung.

Ich habe daraus gelernt, besser auf meine Gefühle zu achten und ihnen mehr zu vertrauen. Wenn ich mich in einer Situation nicht wohl fühle, dann versuche ich, etwas zu ändern oder ich ziehe die Konsequenzen und verlasse diese Situation.

Stärken

Stärke dich, damit du gewappnet bist für die nächste Ablehnung, Zurückweisung oder Kritik. Vielleicht empfindest du auch Kritik als eine Form der Ablehnung.

Wie stärkst du dich? Werde zur Eiche oder zieh einen Regenmantel über. Sorge dafür, dass du gut verwurzelt und geschützt bist.

Geht es dir gut, hast du ein starkes Selbstwertgefühl, dann bist du souveräner im Umgang mit Ablehnung.

Wenn ein Hund an eine Eiche pinkelt, dann markiert er nur sein Revier. Das hat überhaupt nichts mit der Eiche zu tun. Die steht einfach da,  fest verwurzelt in der Erde und rührt sich nicht. Sie fühlt sich nicht angepinkelt oder gar zurückgewiesen.

Übung 1:

Stell dir vor, wie du zu einer großen, starken Eiche wirst. Schließ die Augen und fühle, wie du deine Wurzeln tief in Mutter Erde wachsen lässt. Die halten dich fest in jedem Sturm. Richte dich auf, nimm die Schultern zurück und spüre deinen starken, mächtigen Stamm.

Jetzt stell dir vor, es kommt ein Wildschwein, das sich an diesem starken, mächtigen Stamm scheuert. Du starke, mächtige Eiche beobachtest nur und nimmst wahr: aha, ein Wildschwein. Und dann siehst du, wie langsam ein Eichenblatt herunter segelt auf das Wildschwein.

Na? Wie fühlst du dich? Diese kurze Übung habe ich kürzlich angeleitet bei einer Frau, die ein bisschen Bammel vor einem Gespräch mit jemandem hatte, der sie immer schrumpfen ließ.

Diese fantastische Frau ist erfolgreich in ihrem Beruf, führt ein größeres Team, engagiert sich noch als Freiwillige in der Flüchtlingshilfe und hat das schönste, warmherzigste Lächeln, dass du dir vorstellen kannst.

Und dennoch hat sie Angst davor, in manchen Situationen nicht gut genug zu sein. Ich habe sie zur Eiche werden lassen, sie richtete sich tatsächlich auf und fing an zu Lächeln.

Dann sagte sie mir, dass in ihrer Vorstellung ein Blatt auf das Wildschwein herab segelte. Das fand ich so schön, dass ich das Blatt seitdem auch immer in der Übung segeln lasse. Je nach Jahreszeit verändert es seine Farbe 😉

Übung 2:

Stell dir vor, draußen regnet es und du ziehst einen Regenmantel über. Mit diesem Schutz gehst du bei Wind und Wetter spazieren und kehrst trocken wieder heim.

Du kannst dir auch vorstellen, dass du mit diesem Regenmantel in eine unangenehme Situation gehst, in der du Ablehnung erfahren könntest. Die Ablehnung wird an dir abperlen wie der Regen an deinem Regenmantel. Unter diesem Mantel bleibst du davon unberührt.

Stell dir das Ganze so plastisch wie möglich vor. Sieh, wie alles abperlt, fühle, wie beschützt du bist, höre, wie dein neuer Regenmantel bewundert wird. Dieser Regenmantel, den du heute zum ersten Mal in dieser Situation anhast!

Übung 3:

Schreib jetzt eine Liste mit all den Dingen, die du gut kannst, die andere an dir bewundern, um die andere dich vielleicht beneiden, weil sie dir so leicht fallen. Liste mindestens 30 Dinge, Eigenschaften oder Qualitäten auf.

Oder du schreibst: Ich mag mich, weil….(…ich so zuverlässig bin, …ich ein so großes Herz habe, …so fantastisch andere ermutigen kann,…so großartige Kinder erzogen habe,…). Finde mindestens 30 Gründe.

Probiere diese Übungen aus, wende sie an und du wirst sehen: du gehst deutlich souveräner mit Ablehnung um.

Denk dran: ein NEIN bedeutet lediglich: Noch Eine Information Nötig. Es ist die ganz persönliche Sichtweise deines Gegenübers und hat gar nichts mit dir zu tun. Es sei denn, du lässt es zu, weil du deinen Regenmantel vergessen hast.

Welche Information möchtest du deinem Gegenüber geben?

Fortsetzung in meinem nächsten Artikel: Ablehnung mit SSS und RRR begegnen.