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Wenn du im Einklang lebst geht alles leichter

Wenn du im Einklang lebst mit dir und allem, was ist, geht alles leichter und du bleibst gelassen.  Wenn du aus dem Herzen heraus handelst, dann geht selbst das, von dem du bisher geglaubt hast, dass du es nicht kannst. Das habe ich selbst erlebt durch Singen – was ich „eigentlich“ nicht kann.

Singen ist peinlich

Als Kind mochte ich nicht singen. Der Musikunterricht war sehr demütigend, besonders dann, wenn die Zeugnisnote ermittelt werden sollte. Dafür musste ich nach vorne, neben das Klavier des Musiklehrers und mitsingen. Danach gab es eine wohlwollende Drei  (Befriedigend), mit den Worten, dass ich eigentlich eine Vier (Ausreichend) verdient hätte.

Bumm. Das saß tief für viele, viele Jahre. Die Scham, die Demütigung. Eine Vier versuchte ich immer zu vermeiden, für mich war sie eine verdammt schlechte Note.

Eigentlich wollte ich ganz gerne singen, aber ich konnte es ja nicht. Trotzdem war ich im Schulchor, auch im Englischunterricht haben wir gesungen, englische Weihnachtslieder als pädagogisches Instrument. Hat Spaß gemacht und bis heute kann ich noch „Silent Night“ und „Oh come all yeah“ singen. Englisch hat mir Spaß gemacht und ist mir leichtgefallen, da war ich offen.

Musikunterricht war immer irgendwie mit Scham und Schande verbunden, da war meine Energie ganz zusammengezogen. Wenn ich dran denke, dann erinnere ich noch den Knoten im Magen.

Damals wusste ich noch nichts über Energie und wie ich sie ändern kann.

Und so habe ich lange Jahre mit der Grundüberzeugung gelebt: ich kann nicht singen. Singen ist peinlich.

Singen in Shanghai

Als ich in Shanghai gelebt habe war ich eingeladen zur Abschiedsfeier meines indischen Lehrers. Er war zu Besuch bei seiner Tochter, einer meiner Bekannten, und von ihm habe ich die Macht der Mudras gelernt.

Die meisten Anwesenden waren Inderinnen, nur 3 Deutsche und ein paar Amerikanerinnen. Die Inderinnen haben wunderschön gesungen, es war ihr Abschiedsgeschenk und sollte für eine gute Reise sorgen. Dann wurden wir alle aufgefordert, Lieder aus unserer Heimat zu singen.

Echt jetzt? Nee, peinlich, geht gar nicht. Das war nicht nur meine Reaktion, sondern auch der anderen beiden Deutschen.

Die Amerikanerinnen schmetterten fröhlich ein paar von den gängigen Countrysongs, alle waren so laut, dass nicht auffiel, ob wir mitsangen oder nicht. Was wir natürlich nicht taten.

Nochmal die Aufforderung, ein deutsches Volkslied beizusteuern. Volkslied auch noch, also, das war so gar nicht meins, ich kenne kein einziges. Die anderen beiden verneinten auch betreten. Die Inderinnen konnten es nicht glauben.

Die Deutschen singen nicht

Dann habe ich es erklärt: die Deutschen singen nicht, denn man hat es uns ausgetrieben. Singen ist negativ besetzt, weil es in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts missbraucht wurde. Das war nicht meine eigene Erkenntnis, ich hatte es einmal in einer Rede von Dr. Robert Schuller gehört, dem Gründer und Pfarrer der Crystal Cathedral in Garden Grove, Kalifornien.

Und es machte Sinn für mich. Nicht nur meine eigene Scham über mein nicht singen können, ich trug auch die Scham des Naziregimes in meinen Zellen. Deshalb war mir wahrscheinlich Volksmusik immer ein Graus. Damals wusste ich noch nichts über Energie oder Epigenetik.

Ode an die Freude

Schließlich habe ich meine Scham überwunden und für meinen Lehrer angefangen, „Freude schöner Götterfunken“ zu schmettern. Das Lied hatten mein Mann und ich schon mal in Shanghai gesungen, in einem uighurischen Restaurant, in dem es Bauchtanz gab und alle sangen. Wir als einzige Ausländer wurden aufgefordert, etwas aus der Heimat zu singen. Leicht alkoholisiert vom leckeren uighurischen Bier haben wir so sehr zur Unterhaltung aller Gäste beigetragen.

Immerhin ist die „Ode an die Freude“ die Europahymne, komponiert von einem unserer größten deutschen Komponisten (Beethoven), der Text ist ein Gedicht eines unserer größten deutschen Dichter (Schiller).

Alle Anwesenden stimmten auf Englisch oder in ihrer Sprache ein, wir sangen in einem vielstimmigen, multikulturellen Chor. Die Musik hat uns verbunden, über drei Kontinente hinweg. Es war unglaublich schön und mein indischer Lehrer war sehr bewegt. Uns wurde versichert, dass wir wunderbar gesungen hätten.

Im Einklang

Auch ich war sehr berührt, denn ich hatte aus tiefstem Herzen gesungen und meinte, die Schwingung der Musik gefühlt zu haben. Und da war noch ein anderes Gefühl: das Gefühl, verbunden zu sein mit all den anderen Menschen im Raum. Wir waren im Einklang, und auch ich habe mich im Einklang gefühlt. Mit mir selbst, mit der Musik und mit allem, was ist. Einfach, weil ich mich der Frequenz der Musik, der Schwingung, überlassen habe

Es war einer dieser magischen Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint und plötzlich das tiefe Wissen kommt: es ist alles perfekt. Es ist genauso, wie es sein soll.

Und plötzlich hörte ich mich fragen, ob es möglich sei, dass man singen kann, wenn man mit sich im Einklang ist. Im Englischen: „is it easier to carry a tune when you are more in tune with yourself”. Schon in den englischen Worten wird es deutlich.

Eifriges Nicken und einige Erklärungen meines indischen Lehrers folgten, die ich vergessen habe. Aber das Gefühl erinnere ich noch deutlich. Es ist einfach, wenn du dich vom Ton tragen lässt, dich ihm überlässt. Das habe ich ganz intensiv erfahren nach dem Tod meines Vaters.

Überlasse dich dem Ton

Mein Vater hat sich am 23.12.2010 aufgehängt. So saß ich am ersten Weihnachtstag im fast leeren Flieger nach Europa. Die Abschiedsfeier für ihn habe ich in einer kleinen Friedhofskapelle im Weserbergland selbst gehalten.

Dafür hatte ich einen Circle Song ausgesucht, den ich während eines Jahreskreises „Medizin der Erde“ gelernt hatte. Zwar war er auf Englisch, aber es fiel mir leicht, ihn in die richtigen Worte auf Deutsch zu übertragen. Und zwar so, dass sie noch zur Melodie passten. In der Kleinstadt konnte ich nicht mit englisch kommen. Meine Mutter und mein Bruder sprechen es nicht.

Jede Nacht habe ich das Lied laut singend eingeübt. Ich ging im Dunkeln auf einer verlassenen Straße, links der schwarze Wald, rechts die schneebedeckten Felder, die im Mondlicht glitzerten. Auf dem Rückweg rechts der Wald, links die Felder. Ich sang und übte solange, bis ich nicht mehr dabei heulen musste. Und gleichzeitig habe ich damit meinen ganzen Schmerz, meine Trauer und meine Wut hinausgesungen und Mutter Erde übergeben, einfach, indem ich mich dem Ton überlassen habe.

Aus dem Herzen heraus verbunden

Es war das erste Mal, dass ich öffentlich in Deutschland gesungen habe. Die „Vorbereitungen“ in Shanghai haben geholfen. Gelernt und bisher gesungen hatte ich das Lied im geschützten Raum unseres Frauenkreises. Aber das war 7 Jahre her.

Zu Beginn der Abschiedsfeier erklärte ich, dass es die eigene Entscheidung meines Vaters war, aus dem Leben zu scheiden und dass wir das respektieren müssten. Dass wir als Hinterbliebene es tun. Nicken in der Gemeinde.

Zum Schluss habe ich die Gemeinde eingeladen, mit mir dieses Lied zu singen. Ich habe erklärt, dass ich es für sie aus dem Englischen übersetzt habe, dass ich eigentlich nicht singen kann, es aber trotzdem in Shanghai kürzlich mal gemacht hätte. Zweimal habe ich ihnen den kurzen Text langsam vorgesprochen, dann gesungen. Und die ganze Gemeinde hat eingestimmt.

Ich fühlte mich angebunden und verbunden mit allem, was ist. Die Musik kam direkt aus meinem Herzen, ich konnte es richtig spüren. Alle haben mitgesungen, sogar mein Bruder in der ersten Reihe. Es war wunderschön – und ich fühlte mich vor allem verbunden mit meinem Vater, der aus freiem Willen gegangen war.

Beim Hinausgehen aus der Friedhofskapelle drückten mir einige der Ömchen die Hand, lächelten mich an und meinten, das Lied sei wunderschön gewesen. Und dass sie sich getröstet fühlten. Genauso sollte es sein!

Circle Song

Der Ursprungstext des Liedes lautet:

The river is flowing,
Flowing and growing,
The river is flowing
Back to the Sea.
Mother Earth carry me,
Child I will always be,
Mother Earth carry me,
Back to the Sea.

Und hier meine Übersetzung:

Der Fluss, er fließt weiter,
Weiter und weiter,
der Fluss, er fließt weiter,
Zurück zum Meer.
Mutter Erde trage mich,
Dein Kind bin ich auf ewiglich,
Mutter Erde trage mich
Zurück zum Meer.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich auch nicht reimen kann 😉

Wenn du aus dem Herzen heraus handelst, wenn du im Einklang bist, dann geht selbst das, von dem du bisher geglaubt hast, dass du es nicht kannst.

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