Ungeduld hat häufig Schuld

Ungeduld hat eine ganze Reihe von Bedeutungen: Aufregung, Erregtheit, Erregung, Anspannung, Erwartung, Getrieben sein, Eile, Hektik, Hochspannung, Nervosität, Neugier, Rastlosigkeit, Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Sehnsucht, Spannung, Wissbegier.[1] Hierzu möchte ich noch Respektlosigkeit und mangelndes Einfühlungsvermögen ergänzen.

Ungeduld hat bei Kindern häufig eine andere Bedeutung als bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Ich erinnere mich noch genau an die Vorfreude und gespannte Erwartung, die meinen Bruder und mich als kleine Kinder am “Heiligen Abend” befallen hat. Der Nachmittag bis zur Bescherung schien sich endlos lange hinzuziehen. „Wie lange noch?“ fragten wir voller Ungeduld ca. alle 5 Minuten, die gleiche Frage stellten wir bei langen Autofahrten, abwechselnd mit „wann sind wir endlich daaaa?“ 

Fräulein Ungeduld nannte  meine Mutter mich häufig. Nachdem wir im Frühjahr den Garten bestellt hatten dauerte es mir zu lange, ehe das erste Grün kam. Schlimmer noch war zu akzeptieren wie lange es dauerte bis wir endlich wirklich Radieschen oder Mohrrüben aus dem Boden ziehen konnten. Der Winter schien immer zu lang zu sein, der Sommer immer zu kurz.

Ungeduld hat häufig Schuld

heißt es bei Wilhelm Busch. Und das kann ich bestätigen, so manche Schramme oder blauen Fleck habe ich mir geholt weil ich Abkürzungen mit oder ohne Fahrrad genommen habe anstatt den längeren und sicheren Weg zu wählen. Oder mal eben schnell im Vorbeigehen etwas erledigen wollte was dann zu kleineren oder größeren Katastrophen führte.

In der Erwachsenenwelt beobachte ich Ungeduld eher als Anspannung, Hektik, oder mangelndes Einfühlungsvermögen. Da wird schon mal schnell mit den Fingern getrommelt, wenn es am Bank- oder Postschalter nicht schnell genug geht. Genervte Eltern zerren ungeduldig ihre Kinder hinter sich her, die eigentlich etwas ganz anderes wollen als Mutter oder Vater. „Wie lange dauert das denn noch?“ will der Mann wissen, wenn die Frau sich ausgiebig verschönt weil sie groß ausgehen wollen.

Was hilft gegen Ungeduld?  Als Kind habe ich schnell gelernt zu akzeptieren, dass die Radieschen nicht schneller wachsen wenn ich immer nachschaue, im Gegenteil, ich habe mit Schrecken festgestellt, dass ich die kleinen Pflänzchen umgebracht habe, wenn ich sie  nicht wieder ordentlich in die Erde gesteckt oder zu häufig rausgezogen habe.

Hilft nervöses Fingertrommeln, geht irgendetwas schneller weil man ungeduldig ist? Nicht wirklich. Man wird eher noch nervöser und angespannter, und damit ungeduldiger.

In der Ruhe liegt die Kraft

hörte ich häufig von meinem früheren Boss. Ein Visionär und Vordenker im Marketing, der oft gegen die Windmühlenflügel des „geht so nicht“ von Forschung und Entwicklung kämpfen musste.  Die Umsetzung seiner Ideen ging ihm nie schnell genug.  Zunächst ging mir dieser Spruch ziemlich auf die Nerven. Doch dann bemerkte ich, dass es ein wahrer Zauberspruch war und übernahm ihn selbst.

Ruhe hat als Wort bereits eine eigene, beruhigende Energie, Kraft scheint sich kraftvoll im Körper auszubreiten. Heute möchte ich Dich einladen, diesen kleinen Zauberspruch einmal selbst auszuprobieren. Wenn Du Dich das nächste Mal dabei ertappst, dass Dich ungeduldig und genervt sind, vielleicht weil Du mal wieder auf der Spur fährst, die sich am langsamsten voran schiebt, die Schlange an der Supermarktkasse zu lang ist oder im Restaurant die Bestellung zu lange auf sich warten lässt: dann sage einfach laut:  „In der Ruhe liegt die Kraft“. Anschließend spür in Dich hinein, ob sich etwas in Dir ändert. Vielleicht fängt Dein Gegenüber am Tisch sogar an zu lachen, weil er das für albern hält, dann hast Du schon gewonnen, denn Lachen ist ansteckend – und stärkt das Immunsystem!

Wenn es nicht hilft kannst Du es auch mit einem Stoßgebet versuchen: „Herr, gib mir Geduld, aber sofort!“ Vielleicht hilft es ja 😉

 

[1] http://synonyme.woxikon.de/synonyme/ungeduld.php