Was ist eigentlich Coaching?

Die International Coach Federation (ICF) versteht unter Coaching „eine partnerschaftliche Beziehung mit Klienten, die sie zum Nachdenken anregt und ihnen mit kreativen Verfahren hilft, ihre persönlichen und beruflichen Potenziale bestmöglich zu nutzen”.

Vereinfacht kann man auch sagen, dass Coaching Denkanstöße liefert und inspiriert, eigene Antworten zu finden. Aber auch das Selbstvertrauen stärkt und dabei hilft, die Sichtweise zu ändern, und manchmal Erstaunliches zu entdecken, etwas, was immer da war, aber vielleicht tief verborgen. Im Unterschied zur Beratung, bei der die Antworten vom Berater geliefert werden.

Gezielte Fragen zu stellen ist ein Werkzeug im Coaching. Klingt einfach? Ist es auch, wenn man weiß, wie. Deshalb gibt es Studiengänge, in denen Professionelle Coaches qualifiziert werden. Aber auch „für den Hausgebrauch“ kannst Du Dir das Leben durch Coaching einfacher machen, wenn Du mit Menschen zu tun hat. Und das haben wir alle, egal, ob im bezahlten Beruf außerhalb der Familie oder als Familienmanagerin – früher bekannt als Hausfrau und Mutter, als Angestellter, Leiterin eines Unternehmens oder  einer Abteilung.

Von meiner Mutter musste ich als Kind häufig hören: „Wie oft habe ich dir schon gesagt…?“ und gleichzeitig hatten wir beide ein schlechtes Gefühl. Ich, weil ich mich kritisiert und unfähig fühlte, sie, weil sie frustriert war, oder vielleicht einfach am Ende ihrer Kraft.  Oder die andere beliebte Frage: „Wieso/Warum hast du (das) nicht……?“ Und die Antwort: Schulterzucken, schlechtes Gefühl auf beiden Seiten.

Anstatt zu fragen „Warum hast du (nicht)…“ wäre eine bessere Frage: „Wer oder was hat dich daran gehindert…?“ oder „Was hat dich abgehalten, das zu tun?“

Eine meiner Klientinnen hatte sich in einem Fitness-Studio angemeldet, den Jahresbeitrag bezahlt, schaffte es aber einfach nicht, hinzugehen. Auf meine Frage was sie abgehalten hätte kam die Wahrheit ans Tageslicht: sie schämte sich wegen ihrer Gewichtszunahme und es war ihr peinlich, „neben den jungen, schlanken Dingern rumzuhopsen“. Kaum hatte sie geantwortet musste sie lachen, denn um ihr Gewicht zu reduzieren hatte sie sich überhaupt dort angemeldet.

Meine nächste Frage war,  woher sie denn so genau wüsste, dass dort nur schlanke und junge Frauen seien. Sie hatte keine Antwort darauf. Nicht, ohne wenigstens einmal hinzugehen und nachzuschauen. Und wie so oft im Leben war es dann ganz anders als sie es sich es sich ausgemalt hatte. Sie war in guter Gesellschaft von Frauen aller Altersgruppen, die alle gerne ein paar Pfunde weniger haben wollten.

Ein anderes Beispiel sind die „lieben Freunde“, die sich immer wieder bei uns beklagen, wie schlecht es ihnen geht und wie viele Probleme sie haben. Geduldig hören wir uns dieselbe Geschichte zum x-ten Mal an.

Besser wäre es  zu fragen: „Was kannst du tun, um das zu ändern?“ oder „Was ist der nächste Schritt den du unternehmen kannst, um das zu ändern?“ und dann bitte: PAUSE, anschauen, anlächeln und warten. „Welche Unterstützung brauchst du dabei?“ wäre dann eine gute nächste Frage. Und wenn die beliebte, weil leichte Antwort kommt „Ich weiß es nicht“ darfst Du gerne die gleiche Frage wiederholen! Auch mehrmals. Funktioniert, garantiert. Wenn nicht schreibe mir.

Anstatt jemandem “gute Rat-schläge” zu erteilen, stelle ihr Fragen, die ihr dabei helfen, die eigenen Antworten zu finden. Vertraue darauf, dass sie die Antworten weiß. Bestärke sie darin, dass sie „es“ kann. So machst Du Dir das Leben leichter und Ihr beide werdet glücklicher und selbstbewusster.

Neben Fragen zu stellen hat ein professioneller Coach noch eine Vielzahl von Werkzeugen in der Werkzeugkiste, die den Coachees oder Klienten dabei helfen, ein besseres, erfüllteres Leben zu leben, die gewünschten Veränderungen und ihre Ziele zu erreichen. Oder, wie ich es nenne, „den inneren Diamanten zu finden“. Zuhören und Raum geben gehören ebenso dazu wie Herausfordern und Ermutigen – um nur einige zu nennen.

Versuche einfach mal den Coaching Ansatz: stell ermutigende, bestärkende Fragen, die Deinem Gegenüber helfen, ihre eigenen Antworten zu finden.  Und dann reflektiere:

 Wie hat es geklappt?

Welche Unterstützung konntest Du geben?

Welche positiven Veränderungen konntest Du beobachten?