Wege entstehen dadurch, dass Du sie gehst

Wie kommt es, dass große Elefanten mit einem dünnen Seil um einen Fuß angebunden werden und sich nicht losreißen obwohl dies ein Leichtes wäre? Programmierung hält sie zurück, nicht das Seil.

Elefanten werden ganz jung mit einer schweren Eisenkette an einen dicken Pfosten angekettet. Sie versuchen sich verzweifelt zu befreien, lernen aber mit der Zeit, dass es nichts nützt. Dann geben sie auf, und als ausgewachsene Elefanten können sie mit einem dünnen Seil an einem in die Erde gerammten Stock angebunden werden, von dem sie sich leicht befreien könnten. Aber ihre Programmierung lautet: ich kann das nicht. Sie unternehmen keinen weiteren Versuch, ihren Radius zu erweitern. Ihre Programmierungen hindern sie daran.

Programmierungen entstehen entweder durch stetige Wiederholungen, so wie ein neuer Pfad quer über eine Wiese entsteht: durch viele, viele Füße, die das Gras niedertrampeln. Die meisten Programmierungen entstehen in der Kindheit durch Lehrer und Eltern, häufig unbewusst durch die benutzten Sprachmuster. Aber Achtung: auch als Erwachsene programmieren wir uns stetig selbst weiter.

Achte auf Deinen inneren Dialog mit Dir selbst: wie negativ oder positiv redest Du mit Dir selbst? Beschimpfst Du Dich eher innerlich oder lobst Du Dich? Hier können kleine Veränderungen viel bewirken. Statt zu sagen: „Das kann ich einfach nicht“ ändere dies um in „das kann ich noch nicht“. Das kleine Wörtchen „noch“ beinhaltet Hoffnung und ist das starke Signal an Dein Unterbewusstsein, dass Du auf dem Weg bist zum Können. Probiere es einfach mal aus.

„Alles was programmiert wurde kann auch wieder umprogrammiert werden. Dabei kann Dir Coaching helfen“.

Programmierungen können auch durch traumatische Erfahrungen entstehen. Ich hatte seit meiner Kindheit panische Angst vor Ratten und Mäusen, entstanden durch angstbesetzte Situationen. Allein die Erwähnung dieser Tierchen ließ meinen Puls steigen, einen spitzen Schrei aus der Tiefe meiner Kehle entrinnen und meine Fähigkeit in die Höhe zu springen enorm wachsen. Im Zuge meiner umfangreichen Weiterbildungen wurde dies umprogrammiert.

Im Sommer 2009 habe ich den Bürgersteig kurzfristig mit einer Ratte geteilt, in Shanghai, wo ich damals lebte, auf dem Weg von der U-Bahn-Station nach Hause. Ich sah sie an und dachte: „die ist ja dünn, na klar, eine chinesische Ratte“. Mein Puls blieb normal. Und dann musste ich lachen weil mir bewusst wurde: ich habe wirklich meine Programmierung geändert.

Wiederholung ist auch eine Möglichkeit der Umprogrammierung. Wer Angst hat vor Publikum zu sprechen, es aber trotzdem wagt und dies wieder und wieder macht, der gewinnt mit der Zeit immer mehr Mut und Selbstvertrauen und kann es oft sogar später genießen. Das habe ich Hunderte von Malen in den Toastmasters Clubs in Hannover und Shanghai beobachtet. Umprogrammierung durch Wiederholung gepaart mit positivem und motivierendem Feedback. Wer immer wieder hört, was er alles gut kann, stärkt dieses Programm, und durch Nichtbeachtung des Negativen verblasst dies schließlich immer mehr.

Welche Programmierungen hast Du? Und woran hindern sie Dich? Wann hast Du das letzte Mal versucht, Deinen Radius zu erweitern, in unbekanntes Terrain vorzustoßen?

Hast Du vielleicht auch das Gefühl, dass eine dicke, schwere Eisenkette um Deinen Fuß liegt? Schau noch mal genau hin: vielleicht wurde sie schon vor einiger Zeit ersetzt durch ein Seil und Du glaubst nur noch, dass es eine Kette ist. Was wäre, wenn Du einfach mal ein bisschen fester ziehst? Und noch ein bisschen? Vielleicht fängt ja der Stock an nachzugeben. Und dann wiederholst Du den Vorgang. Du wirst sehen: irgendwann reißt entweder der Strick oder Du reißt den Pfosten raus.