Wie Hape Kerkeling mich zum Weinen brachte

„Ich bin dann mal weg“ ist der Buchtitel von Hape Kerkelings „Reise auf dem Jakobsweg“. Dieses Buch habe ich kürzlich in der Büchertausch-Telefonzelle bei uns im Rathaus entdeckt. Offensichtlich neu und ungelesen. Heute Morgen habe ich zuerst das Nachwort gelesen. Darin beschreibt er, wie er  gebeten wurde, sein Pilgerglöckchen zum ersten Mal nach seiner Reise in einer Talkshow wieder zu läuten.

Er tat es und dachte dabei an die beiden Frauen, die ihn  auf dieser Reise begleitet hatten und denen er ganz zu Anfang für die gemeinsamen Erfahrungen dankt.  Nach der Sendung hatte er jeweils eine Nachricht von beiden Frauen auf seinem Anrufbeantworter mit der Nachricht: „I heard the bell!“ (Ich habe die Glocke gehört). Eine lebt in Neuseeland, die andere in England. Die Tochter der Neuseeländerin war gerade in Hamburg bei ihrem Freund und erkannte im Fernsehen die Glocke ihrer Mutter. Also rief sie in Neuseeland an, diese rief dann wieder die andere Freundin in England an, und beide meldeten sich telefonisch bei Hape.

Als ich das las schossen mir die Tränen in die Augen. Ich setzte mich einen Augenblick in meinen Meditationssessel und lies das Ganze auf wirken. Ich persönlich glaube nicht an Zufälle, ich sage immer: es fällt Dir zu, weil es fällig ist

Wenn Du anfängst, diese Synchronizitäten wahrzunehmen, denn wird Dein Leben leichter. Du stellst fest, wie sehr alles miteinander verbunden ist, dass es einen tieferen oder höheren Sinn dahinter gibt. Dann  bist Du im Fluss, im „Flow“, wie Mihaly Csikszentmihalyi es beschrieben hat.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“, dieses Zitat von Franz Kafka steht auf der  Startseite meiner neuen Homepage. Coaching ist ja immer auch eine Reise, man fängt an, einen Weg  zu gehen und dadurch entsteht er. Am Anfang ist es der Weg hin zu einem Ziel, einem Wunsch, häufig auch weg von einem Schmerz oder einer festgefahrenen Situation. Letzten Endes aber ist es immer der Weg hin zu sich selbst.

Vielleicht sind Pilgerreisen deshalb so populär geworden in den letzten Jahren. Hape Kerkelings ist im Sommer 2001 gepilgert, ich hatte die 58. Auflage 2007 in Händen. Es war ein Bestseller.

Wir alle sind insgeheim auf der Suche nach dem Sinn. Viele Menschen wissen es nur noch nicht bewusst. In meinen Coachings habe ich es immer wieder erlebt: die Menschen kommen zu mir, weil sie etwas verändern wollen. In der Regel fehlen ihnen Mut oder Selbstvertrauen, also das Vertrauen in die eigene Kraft, in die eigenen Fähigkeiten. Wir fangen an zu arbeiten, erreichen die  gewünschten Ziele – und dann geht es weiter, tiefer. Die Frage nach dem Sinn taucht auf, oder die Frage nach der Lebensaufgabe – im Englischen viel besser benannt als „soul purpose“, Seelenbestimmung.

Hape Kerkeling hat sich den Sinn erwandert. „Ich bin dann mal weg“ hat mich wieder daran erinnert. Es ist ein Hinweis für mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Mein „Ich bin dann mal weg“ war mein Aufenthalt in Shanghai. Ich bin zwar nicht gewandert, aber ich bin bei mir selber angekommen.

Der Weg zurück nach Deutschland war sehr, sehr schmerzhaft, weil ungewollt und zu plötzlich. Es schien mir, als ob ich alles vergessen hätte, was ich in Shanghai erfahren und gelernt hatte. Als ich mich dann wieder aufmachte zu mir selbst, nämlich weg von dem Trauern, der Wut, der Opferhaltung (ach, ich Arme musste mein geliebtes Shanghai verlassen), dann ergab sich der Weg, es taten sich neue Türen auf und es ergaben sich unzählige Synchronizitäten.  Jetzt achte ich wieder darauf, ich erwarte sie – und sie geschehen, mehr und mehr.

Achte einfach mal auf Synchronizitäten in Deinem Leben. Schärfe Dein Bewusstsein dafür und Du wirst erkennen, wie häufig sie passieren. Wie das berühmte Beispiel, dass Du an eine Freundin denkst, die Du mal wieder anrufen müsstest, und wie aus heiterem Himmel ruft sie Dich an.

Dass Du gerade heute diesen Beitrag liest ist vielleicht der Anstupser des Universums, nun doch mal anzufangen, darauf zu achten. Und darauf zu vertrauen, dass Du die Glocke hörst, wenn Du Dich auf den Weg machst.